Der erste Geburtstag von unserem Sonnenschein steht vor der Tür – bereits in 10 Tagen ist es soweit! Schon seit Anbruch des 12. Lebensmonats sind so viele Gefühle in mir, eine permanente Achterbahnfahrt: Trauer, Verlustängste, Sehnsucht und unendliche Liebe im Wechselspiel. Bald muss ich Abschied nehmen vom Babyjahr.
Ich möchte, dass der erste Geburtstag perfekt wird. Doch was heißt das eigentlich? Was braucht ein Kind zum ersten Geburtstag? Wie wird der Tag unvergesslich für das Kind? Welche Geschenke braucht es – und wie viele? Ich habe oft gelesen, dass der erste Geburtstag mehr für die Mutter ist, als für das Kind. Ich würde diese Aussage aktuell absolut unterstreichen.
Von persönlichen Ansprüchen und den Bedürfnissen eines Babys
Seit Wochen sitze ich Abend für Abend an den Vorbereitungen für den großen Tag. Es werden Girlanden und Muffin-Piekser mit Gesichtern von Baby E. gebastelt, ein Fotoalbum vom ersten Lebensjahr zusammengestellt, das ich wohlgemerkt Monat für Monat pflegen wollte, damit ich es möglichst leicht habe, aber wie es nun mal so ist nie gemacht habe. Zuletzt wird Stunden lang nach dem perfekten Geburtstagskranz, einer Geburtstagskrone und Dekoration im Internet gesucht, bis ich vor lauter Überfluss einfach irgendwas bestelle und hoffe, dass es meinen Ansprüchen genügt.
Und wird sich Baby E. an all‘ diesen Dingen erfreuen können? Wird er sich jemals daran erinnern? Ich kenne die Antwort nur zu gut: nein und nochmals nein. Alles was ich in diesen Geburtstag stecke, brauche nur ich. Ich brauche es, um Abschied zu nehmen vom Babyjahr. Von dem wohl anstrengendsten aber rückblickend auch schönstem Jahr in meinem bisherigen Leben. Mir ist bewusst geworden, dass ich die Momente oftmals viel zu wenig genossen habe.
Nie im hier und jetzt leben
Ich habe mich viel zu oft aufgeregt, wenn das Einschlafen mal wieder schwierig war. Wenn Baby E. nicht ohne mich, aber auch nicht mit mir spielen wollte und ich somit einfach nur stundenlang im Wohnzimmer gesessen habe und zugesehen habe, was er macht. Wenn ich keinen Meter ohne ihn machen durfte und dadurch der Haushalt zu einem Marathon wurde. Wenn ich mich zum Abendessen getroffen habe, aber Baby E. Mama zum Einschlafen brauchte und dadurch der Abend mal wieder frühzeitig beendet wurde. So viele Male, wo ich einfach nur genervt war und mein altes Leben vermisst habe. Wo ich mich nach mehr Freiheit gesehnt habe und das, obwohl ich mich immer wieder für dieses kleine Wunder entscheiden würde. Wo ich mir gewünscht habe, dass eine Phase (Schlafregression, Entwicklungssprung, Zahnen…) endlich vorbei ist, oder er endlich den nächsten Entwicklungsschritt (Drehen, Krabbeln, Laufen, …) erreicht.
Wenn ich nun zurückblicke, empfinde ich Trauer, da ich die Momente nicht geschätzt habe. Die Momente, in denen er etwas Neues erlernt und mit so viel Neugierde die Welt entdeckt hat. Hast du schon einmal ein neues Hobby ausprobiert oder eine neue Sprache erlernt? Wie viele Stunden und Anleitung von einer anderen Person brauchte es, bis du gut darin warst? Wie faszinierend ist es, dass das meiste was die kleinen Wesen im ersten Lebensjahr erlernen, von ihnen selbst und ohne viel Unterstützung erreicht wird?
Auch die Momente, in denen er mich brauchte habe ich zu wenig geschätzt. Seine Sehnsucht nach Mama zeigt nur eine sehr enge Bindung zu mir und das ist etwas so Wunderschönes! Natürlich habe ich seine Nähe auch genossen. Jede Umarmung, jedes Stillen und jedes gemeinsame Schläfchen. Aber ich kann mit Gewissheit sagen, dass ich es seit dem Anbruch des 12. Lebensmonats noch einmal mehr genieße, weil ich weiß, dass es endlich ist und dass ich bald das Babyjahr verabschieden werde.
Der Abschied vom Babyjahr
Ich weiß, dass er für immer auf eine gewisse Art mein kleines Baby bleiben wird und trotzdem wird er dann ganz offiziell die Bezeichnung Kleinkind tragen und das löst etwas in mir aus. Diese Gefühle sind etwas, was vermutlich nur eine Mutter nachempfinden kann. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass ich mal so eine emotionale Seite entwickele und so häufig weine, wie in der aktuellen Zeit. Doch ich lasse die Gefühle ganz bewusst zu, höre in mich hinein und schwelge in Erinnerungen. Ich glaube, dass dies der beste Weg ist, um für mich einen Abschluss zu finden.
Ich weiß, dass Baby E. zu seinem ersten Geburtstag nicht viel braucht: Nähe zu seinen Bezugspersonen und ganz viel Liebe. Und die soll er bekommen. Wir werden den Vormittag zu dritt verbringen und je nach Wetterlage einen Tierpark oder ein Schwimmbad besuchen. Gemeinsam die Zeit genießen und einfach für den kleinen Sonnenschein da sein. Nachmittags kommt die engste Familie für Kaffee und Kuchen vorbei, das Geburtstagskind hochleben lassen. In Gedanken werde ich auch mich feiern, denn auch ich bin ein Jahr Mama und in diesem Jahr so schnell gewachsen, wie nie zuvor in meinem Leben. Ich hoffe, dass der Tag für uns alle so unvergesslich wird, wenn sich der eine vielleicht auch mehr daran erfreuen und erinnern kann, als der andere.
Für deinen Weg
Was kannst du für dich aus meinen Gedanken mitnehmen? Was ich dir auf jeden Fall mit auf den Weg geben möchte: genieße jeden Moment und versuche möglichst im hier und jetzt zu leben, statt dich immer nach dem nächsten Schritt zu sehnen. Alle Gefühle sind erlaubt – lasse sie bewusst zu und durchlebe sie, auch wenn es manchmal anstrengender ist, als sie zur Seite zu schieben. Klopfe dir auch einmal selbst auf die Schulter: Mama sein ist eine Mammutaufgabe und wir wachsen so oft über uns hinaus, gehen eine Extrameile oder stecken für unsere Kleinen zurück, dass sollten wir für uns viel öfter wertschätzen. Das Babyjahr ist intensiv und vergeht doch schneller, als es zuvor scheint.


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